Pferderipper im Land –                                                      Stand: 28.08.2006
Sorgt fuer mehr Sicherheit fuer Stall und Weide!               
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Weingarten/Kehl/Sigmaringen/Bad Schussenried.   (stb).   Erst Kehl, dann Sigmaringen, jetzt Bad Schussenried – liebe Pferdefreunde sorgt fuer mehr Sicherheit fuer Stall und Weide. Pferdeschaender sind wieder aktiv im Lande.

 
Hinweis nimmt jede Polizei-Dienststelle entgegen.

 Kehl:    07851-893330

 Sigmaringen: 07552-201640

 Bad Schussenried: 07583-942020

 Die Sorge vor Pferdeschaendern steigt im Lande extrem. Juengst wurden in Suedbaden (um den 10. August 2006) und im Raum Sigmaringen (um den 22. August 2006) sowie in Bad Schussenried (um den 25. August 2006) wieder Pferde von Unbekannten schwer verletzt. Auch im Raum Biberach war vor wenigen Monaten ein Fall von Pferdeschaendung bekannt geworden. Zuletzt bekannt gewordene Faelle stammen aus Sigmaringen, genauer aus Aach-Linz und Bad Schussenried-Hopferbach.

 

Taeter auch tagsueber aktiv

In Aach-Linz waren zwei Pferde durch Schnittwunden verletzt worden. Eine tragende Vollblutstute wurde dabei besonders schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilte, waren die Pferde tagsueber auf getrennten Koppeln untergebracht. Gegen Abend stellte der Besitzer der Pferde die Verletzungen an seinen Tieren fest. Der Fall beweist, dass entsprechende Taeter durchaus auch bei Tageslicht aktiv sind. Die zustaendige Polizeihundefuehrerstaffel der Polizeidirektion Sigmaringen ist unter Tel. 07552-201640 erreichbar.

 

Fliehende Pferde verursachten Verkehrsunfall

In Bad Schussenried-Hopferbach wurden laut Polizeibericht bereits am Dienstag, 22. August 2006, zwei Pferde erheblich verletzt. Die verletzte Stute und ein weiteres Pferd brachen offenbar wegen der Attacke aus der Weide aus und verursachten kurz darauf einen Verkehrsunfall. Eingefangen wurden die Pferde viele Stunden spaeter am Tag darauf. Der Tierarzt nahm an, dass die Wunden der Pferde absichtlich herbeigefuehrt worden seien. Auch hier ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevoelkerung angewiesen (Bad Schussenried, Tel: 07583-942020). Unklar sei es, so die Polizei, ob es einen Zusammenhang der Tat in Bad Schussenried und einem Fall von Pferdeschaendung in Winterstettenstadt Anfang Juli gibt. Damals war dort eine Stute wegen einer Attacke gestorben.

 

Zusammenhaenge moeglich?

Die oertliche Naehe zwischen Sigmaringen und Bad Schussenried legt die Moeglichkeit nahe, dass hier der gleiche Taeter zu Gange war. Man weiß ja aus zurueckliegenden Faellen in ganz Deutschland, dass solche Tierquaeler durchaus mobil sind. Deshalb sind Beobachtungen der Pferdebesitzer und Anwohner gegenueber fremden Autos auch besonders wichtig. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Taeter, nach langer „Ruhephase“ wieder aktiv werden. So ist Bad Schussenried schon einmal Ort von Pferdeschaendungen gewesen. Der Taeter wurde damals von einem Pferdebesitzer gestellt, bedrohte diesen und konnte entkommen. Die Polizei hatte daraufhin eine intensive Suche gestartet. Auch in Bad Waldsee gab es im Dezember 2002 UEbergriffe auf Pferde.

 

Pferde werden manchmal mehrfach gequaelt

Im suedbadischen Kehl ermittelt die Polizei schon seit Wochen. Dort wurde ein Pferd gleich dreimal schwer misshandelt. Wie die Polizei den dortigen Fall beschreibt, hat der Taeter die Stute zunaechst in den Stall gesperrt und ihr dann im Genitalbereich und an der Hinterhand heftige Wunden zugefuegt. Seit Juni 2006 sind im Großraum Kehl fuenf Pferde mit Schnittverletzungen gefunden worden (Polizei Kehl: 07851-893330). Von einem Fall im Grenzgebiet zwischen den Kreisen Ravensburg und Sigmaringen ist bekannt, dass vor einiger Zeit ebenfalls eine Stute mehrfach von einem Pferdeschaender heimgesucht und verletzt wurde.

 

Verband ruft immer wieder zur Vorsicht auf

Der Pferdesportverband Baden-Wuerttemberg verfolgt seit Jahren mit großer Sorge derartige Vorgaenge und ruettelt seinerseits die Pferdebesitzer auf, noch besser auf ihre Tiere aufzupassen. Dennoch bleibt die Gefahr sehr groß, wie die aktuellen Faelle zeigen. Einzelne Taeter scheinen sogar das Tageslicht nicht mehr zu scheuen. Darin liegt aber auch eine Chance, einmal einen Taeter zu beobachten, gar dingfest zu machen.

 

UEberreaktion betroffener Pferdebesitzer vermeiden

Betroffene Pferdebesitzer duerfen in ihrer Reaktion nicht ueber das Ziel hinausschießen. Der Pferdesportverband Baden-Wuerttemberg warnt entschieden vor „Selbstjustiz“, deren Ursache im Zorn auf die Pferdeschaender liegt. Aber jede ueberzogene Reaktion birgt gleichzeitig eine Strafverfolgung durch die Polizei in sich. Deshalb gilt: Beobachtungen und Beschreibungen von Vorgaengen, Personen und fremder Autos sind gebotene Mittel, der Polizei zum Erfolg zu verhelfen. Selbst das unter bestimmten Umstaenden erlaubte Festhalten von verdaechtigen Personen kann fuer den Pferdebesitzer eine große Gefahr darstellen. Pferdeschaender haben ja oft Gegenstaende bei sich, die als Waffe dienen koennen und freiwillig wird sich ein Taeter nicht festhalten lassen, was sich auch an einem frueheren Fall in Bad Schussenried klar belegen laesst. In jedem Fall erfordert das Festhalten einer verdaechtigen Person umgehend die Alarmierung der Polizei. Alles andere kann fuer den Pferdebesitzer selbst unliebsame Folgen haben. Die Polizei des Landes ist, das hat sich in den zurueckliegenden Jahren immer wieder gezeigt, schnell aktiv und nimmt Faelle von Pferdeschaendungen sehr ernst. In der Sorgfalt der Pferdefreunde und genauen Beobachtung in Zusammenarbeit mit der Polizei liegen die Chancen, solcher Leute habhaft zu werden, die sich an den Tieren vergehen.

 

Auf gute Beobachtungen kommt es an

Der Pferdesportverband bittet deshalb immer wieder Spaziergaenger, Nachbarn von Pferdehoefen, Jaeger und Landwirte um deren Mithilfe. Auffaelligkeiten sollten umgehend der Polizei gemeldet werden.

 

Welche Pferde sind besonders gefaehrdet?

Stuten, vor allem wenn sie nachts draußen bleiben, sind einem leichten Zugriff ausgesetzt.

Sind die Tiere – was die Regel ist – zutraulich und menschenbezogen, sind sie potentielle Opfer. Pferde, die selten kontrolliert werden und Pferde, an die besonders leicht heran zu kommen ist, sind extrem gefaehrdet. Hinzu kommen abseits gelegene Weiden und Offenstaelle, unverschlossene oder unbewachte Stallanlagen und verkehrsguenstig gelegene Stallungen und Weiden mit guten Versteck- und Fluchtmoeglichkeiten.

 

Was ist zu tun, wenn man ein verletztes Pferd auf der Weide oder im Stall antrifft?

Zunaechst muss man versuchen die Ursache der Wunden zu klaeren: Koennten Weideverletzungen durch kaputte Zaeune und Pfaehle entstanden sein? Blut- oder Haarspuren lassen sich dann erklaeren. Sollte nach sorgfaeltiger Suche keine Ursache innerhalb der Anlage oder Weide festgestellt werden koennen, besteht die Moeglichkeit eines „Fremdeinwirkens“. Dann muss neben dem Tierarzt umgehend die Polizei gerufen werden! Bis zum Eintreffen des Tierarztes oder auch durch diesen selbst sollte die unversorgte Wunde genau fotografiert werden, was heutzutage bei der verbreiteten Digitalfotografie kein Problem mehr darstellt. Die naehere Umgebung sollte nach moeglichen Tatwaffen abgesucht werden. Findet man solche Gegenstaende, darf man sie nicht vom Ort entfernen oder beruehren. Vielmehr dienen sie der Polizei als wertvolle Spuren!

 

Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig

Es wird empfohlen, Pferde nachts in den Stall zu bringen. Die Sicherungsmaßnahmen sollten kontrolliert und verbessert werden an Stall und Koppel. Auch Staelle lassen sich mit einfachen Mitteln verschließen, ohne dass der Frischluftaustausch gehindert wird. Gittertueren helfen hier. Weiden oder Laufstaelle sollten nach fremden Anfuetterungsstellen untersucht werden, Loecher im Zaun, kaputte Fenster oder leicht zu oeffnende Tueren sollten repariert bzw. geaendert werden. Regelmaeßige Kontrollen der gesamten Anlage und Weiden zu unterschiedlichen Zeiten schaffen Sicherheit, weil viele Taeter ihre Opfer erst ausspaehen, bevor sie zuschlagen.

Nachbarn, andere Pferdehalter, Jaeger, Landwirte, Foerster sollten angesprochen und um erhoehte Aufmerksamkeit gebeten werden.

 

Fremde auf der Anlage

Besucher auf dem Hof, an der Weide sind nicht grundsaetzlich unter Generalverdacht zu stellen. Jedoch: Vorsicht ist angebracht. Fremde auf Hof, Weide und Reitanlage sollten grundsaetzlich angesprochen werden. Angestellte oder Mitarbeiter, auch Einsteller sollten vom Betreiber verbindlich beauftragt werden, Fremde immer anzusprechen. Nach dem Namen und dem Woher zu fragen ist sehr wohl erlaubt und hilfreich. Solche Details lassen sich gut notieren, auch auf die Gefahr hin, dass die Angaben falsch sind. Es sollte stutzig machen, wenn sich der angebliche Tierfreund intensiv nach den Tieren erkundigt, sich die Stallungen und Sattelkammer zeigen lassen will. Es koennte sich um das Ausspaehen des Objektes handeln. Ziel solcher „Erkunder“ koennte es auch sein, Diebstaehle von Tieren und Ausruestung vorzubereiten. Deshalb sind Zurueckhaltung und Aufmerksamkeit sowie Beobachtungsgabe wichtig. Autos und Personen sollten genau beschrieben werden koennen. Oft helfen Fotos.

 

Wer sind die Pferdeschaender?

Antwort versucht Alexandra Schedel-Stupperich zu geben (Buchtitel: So Schuetze ich mein Pferd – siehe Info am Ende des Beitrages). Oft seien Taeter introvertierte, kontaktarme Menschen mit schlechter sozialer Anbindung; Menschen mit gestoerter Persoenlichkeit, einige weisen minimale Hirnschaeden auf; sadistisch veranlagte Personen; Personen mit zerstoerersicher, krimineller Energie. Oft sind Taeter in einem niedrigen sozialen Umfeld angesiedelt, verfuegen jedoch haeufig ueber Erfahrung mit Pferden. Auch „boese Nachbarn“, Neider ,Versicherungsbetrueger und Jugendbanden gehoeren zum Taeterkreis, schreibt die Autorin. Motive der Taeter seien Neid oder Hass auf Pferdebesitzer, genereller Hass auf Pferde. Manchmal spiele Hoffnung auf finanzielle Vorteile eine Rolle oder gar der Wunsch, andere bewusst in ihren Gefuehlen zu verletzen oder einzuschuechtern. Auch Eifersucht koenne ein Motiv sein ebenso wie Geltungssucht, die ueber die Medienberichterstattung befriedigt wird.

 

Vorsicht vor Medienrummel

Die Medien sind ein wichtiges Kontrollorgan in unserer Gesellschaft. Sie koennen einen guten Beitrag leisten bei der Vorbeugung, Verhinderung oder Verfolgung von Verbrechen an Pferden und anderen Tieren. Jedoch: Sensationslust ist bei manchen Medienvertretern auch ein Motiv, am Hof eines geschaedigten Pferdebesitzers aufzutauchen. Schlechte Beispiele gibt es in der Tat.

 

Der Umgang mit den Medien kann fuer Betroffene zu einem Problem werden. Aufgewuehlt von der Tat lassen sich manche Betroffene zu AEußerungen hinreißen, die sie bei nuechterner Betrachtung so nicht machen wuerden. Solche Aussagen werden gerne auch provoziert und flimmern dann ungebremst ueber manche Fernsehkanaele. Es ist deshalb betroffenen Pferdebesitzern zu raten, mit „spontanen“ Kommentaren sorgsam umzugehen, vor allem wenn sie emotional noch sehr aufgewuehlt sind. Auch hier gilt es, Sensationslust von serioeser Berichterstattung zu unterscheiden. Der oertliche, dem Betroffenen oft bekannte Redakteur „seiner“ Tageszeitung, spielt dabei eher eine helfende Rolle, weil dessen Beitrag der Warnung, dem Schutz anderer Tiere und den Ermittlungen der Polizei dienen kann.

 

Technik hilft Pferde schuetzen

Technik hilft Pferde schuetzen. Doch Vorsicht! Viele technische Finessen kosten Geld, eigenen sich aber nicht grundsaetzlich zur UEberwachung von Reitanlagen und Staellen. Alarmanlagen sind nicht immer nur hilfreich, sie sind oft auch laestig, weil sich die Menschen staendig daran erinnern muessen, sie zu aktivieren oder auszuschalten. Die Aufmerksamkeit erlahmt rasch. Deshalb sollte man sich nur fachmaennischen Rat holen, den gibt es auch bei den Fachleuten der Polizei und dazu noch kostenlos.

 

Ein gutes Buch bietet Grundlagen-Information

Ersten Rat und Information bietet zum Beispiel das Buch: So schuetze ich mein Pferd. Die Autoren sind Fachleute auf dem Gebiet. Diplombiologin Alexandra Schedel-Stupperich von der Georg-August-Universitaet Goettingen forscht und erlaeutert Kriminalitaetsphaenomene an Haustieren. Sie beschreibt zunaechst Grundsaetzliches ueber Opfer, Taeter und betroffene Besitzer, gibt Verhaltensregeln und Rat.

Hans Glindemann ist nicht nur Pferdezuechter sondern auch Kriminalpolizist am Landeskriminalamt Hamburg. Er ist Fachmann fuer technische und verhaltensorientierte Vorbeugung. Er beraet in Fragen von Sicherheitstechnik auch aus eigener Erfahrung.

 

Das Pferd ist eine Sache und doch keine Sache – rechtlich gesehen

Manchmal wird ein Delikt an einem Pferd oder anderen Tieren als „Sachbeschaedigung“ eingestuft. Doch ein strafrechtliches Nebengesetz, Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes, trifft hier staerker zu und muesste zur Anwendung kommen. Darauf sollten betroffene Pferdebesitzer achten. Das raten die oben zitierten Buchautoren. Tiere werden rechtlich nicht mehr mit Sachen gleichgesetzt. Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes sieht naemlich den Zweck des Gesetzes darin, „aus der Verantwortung des Menschen fuer das Tier als Mitgeschoepf dessen Leben und Wohlbefinden zu schuetzen“. Strafrechtlich wird Pferdeschaendung von zwei Gesetzen beruehrt: Paragraf 303 Strafgesetzbuch lautet:  „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschaedigt oder zerstoert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Dieses Gesetz, das Tiere noch als Sachen definiert, wird jedoch durch Paragraf 17 Tierschutzgesetz ueberlagert, in dem es heißt: „Mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird ... bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernuenftigen Grund toetet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder  b) laenger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufuegt.“

 

Tierquaelerei ist zudem - im Gegensatz zur Sachbeschaedigung - ein Offizialdelikt gemaeß Paragraf 304 Strafgesetzbuch. Das bedeutet, dass der Sachverhalt der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft vorgelegt werden muss. Sachbeschaedigung hingegen wird nur auf Antrag des Betroffenen verfolgt. Um diese Gedanken abzurunden sei darauf hingewiesen, dass es sich im Falle von verletzten Pferden auch um eine Ordnungswidrigkeit handeln kann, wenn die Attribute „Rohheit“ oder sich wiederholend“ nicht gegeben sind. Der Sachverhalt wird als Ordnungswidrigkeit nach dem Tierschutzgesetz geahndet und kann mit einer hohen Geldbuße (ca 25 000 ¤) belegt werden. In der Praxis, so sagen die genannten Autoren, werde jedoch bei Pferdeschaendungen meist Paragraf 17 Tierschutzgesetz angewandt.

 

 

Info:

So schuetze ich mein Pferd

Mueller-Rueschlikon-Verlag,

ISBN3-275-01324-6, 136 Seiten

Reichhaltig informativ bebildert

16 ¤

Autoren:

Alexandra Schedel-Stupperich

Hans Glindemann

 

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